Radfahren als Trainingsmethode – Wie gut eignet es sich für Skifahrer?
Radfahren als Teil des Langlauftrainings? Das ist ein Thema, das starke und geteilte Meinungen hervorruft.
Manche Langläufer behaupten, Radfahren zähle nicht als richtiges Training, während andere darauf schwören und wöchentlich Hunderte von Kilometern mit dem Rad zurücklegen. Ist Radfahren also tatsächlich vorteilhaft für Skifahrer?
Radfahren ist auch für Skifahrer eine gute Trainingsmöglichkeit im Sommer. Langrenn.com sprach mit dem erfahrenen Trainer Steinar Mundal über dieses Thema. Mundal hat sein ganzes Berufsleben lang Nationalmannschaften im Langlauf und Biathlon in Norwegen und international trainiert. Er betreute das Training von Stars wie Vibeke Skofterud, Martin Johnsrud Sundby und Petter Northug. Außerdem trainierte er das Team Telemark, dem unter anderem Even Northug (Petters Bruder), Mikael Gunnulfsen und Kari Øyre Slind angehörten.
Mundal ist der Ansicht, dass Radfahren eine effektive Trainingsmethode für Skifahrer während der Trockentrainingssaison ist.
„Die Beliebtheit des Radfahrens unter Skifahrern unterliegt Schwankungen. Es gab eine Zeit, insbesondere in den 1990er Jahren, da fuhren die Nationalmannschaften deutlich mehr Rad als heute. Mit Athleten wie Thomas Alsgaard, Tor-Arne Hetland und Anders Aukland sind wir viel Rad gefahren. Und sie haben sich nicht als schlechte Skifahrer erwiesen.“ Mundal sagt.
Anders Aukland gehörte während seiner Karriere zu den Skifahrern, die im Sommer viel Zeit auf dem Rad verbrachten. Mundal weist außerdem darauf hin, dass Biathleten das Radfahren tendenziell stärker in ihr Training integrieren als Langläufer und dass sie im Winter sowohl schnell als auch technisch versiert Ski fahren.
„Radfahren ist im Biathlon-Training im Sommer weit verbreitet. Ole Einar Bjørndalen ist während seiner gesamten Karriere viel Rad gefahren, und viele aktuelle Biathleten tun es ihm gleich.“
Laut Mundal bietet Radfahren klare Vorteile für Skifahrer. Die meisten Skifahrer nutzen es, um das Trainingsvolumen zu erhöhen und Abwechslung in ihr Training zu bringen.
„Bei einem Trainingspensum von 25–30 Stunden pro Woche kann es eintönig und einseitig werden, alle langen Einheiten laufend oder auf der Rolle zu absolvieren. Außerdem ist es einfacher, vier Stunden auf dem Rad zu verbringen als die gleiche Zeit zu laufen. Da Radfahren gelenkschonend ist, können Sportler länger trainieren, ohne ihren Körper zu überlasten, wodurch sich die Anzahl der benötigten langen Trainingseinheiten zu Fuß oder auf der Rolle reduziert. Es ist ideal für den Aufbau allgemeiner Ausdauer.“ Mundal erklärt.
Mundal merkt an, dass Radfahren ein hervorragendes Krafttraining auf mehreren Ebenen bietet. Er sagt, es stärke Beine, Gesäß und Oberschenkel viel stärker als Rollski.
„Auf der Rolle konzentriert man sich stark auf den Doppelstockeinsatz, daher kann man die Beine nicht so einsetzen wie beim klassischen Skilauf. Diesen beinspezifischen Trainingseffekt erzielt man aber beim Radfahren.“
Neben der Nutzung des Radfahrens zur Vorbeugung von Verletzungen empfiehlt Mundal es auch als ergänzendes Training während der Genesung nach Verletzungen.
„Marte Olsbu Røiseland ist beispielsweise viel Rad gefahren, weil sie keine langen Strecken laufen konnte. Und als Kari Øyre Slind vor einigen Jahren nach einem Kletterunfall zurückkam, absolvierte sie ein sehr umfangreiches Radtraining. Als sie wieder mit dem Laufen und Rollskifahren begann, konnte sie sofort wieder lange, sportspezifische Trainingseinheiten absolvieren.“
Mundal ist generell der Ansicht, dass Rennradfahren für Skifahrer vorteilhafter ist als Mountainbiken. Er sagt, dass es auf der Straße einfacher sei, die Intensität zu kontrollieren und die Herzfrequenz niedrig zu halten, was dazu beiträgt, die Ansammlung von Milchsäure in den Muskeln zu vermeiden.
„Wenn du Radfahren als Teil des Langlauftrainings nutzen möchtest, fährst du am besten drei bis fünf Stunden in einem aeroben Tempo auf der Straße. Wähle hügeliges Gelände, wo du die Intensität gut steuern und eine übermäßige Laktatbildung vermeiden kannst. Mountainbiken hingegen wird immer mehr auf Intervalltraining ausgerichtet, daher empfehle ich für Schwellen- und Hochintensitätstraining in der Regel sportspezifischere Einheiten.“
Der erfahrene Trainer räumt jedoch ein, dass Mountainbiken gegenüber dem Rennradfahren auch seine Vorteile hat.
Mountainbiken bietet ein hervorragendes Gleichgewichtstraining und verbessert die Koordination. Die Anstiege beim Mountainbiken ähneln oft eher Skipisten, und die Renndauer ist vergleichbar mit der von Langlaufskiern. Allerdings möchte nicht jeder Rad fahren – oder hat die richtige Ausrüstung. Um wirklich vom Radfahren zu profitieren, ist ein gutes, zum Sportler passendes Fahrrad unerlässlich.
Was denkt Mundal also über Indoor-Cycling oder Spinning?
„Spinning ist auch eine gute Option. Es kann zur Regeneration oder als zweite Trainingseinheit des Tages genutzt werden, um für Abwechslung zu sorgen, insbesondere im Herbst und Winter, wenn das Wetter draußen kalt und anspruchsvoll ist.“
Mundals wichtigste Erkenntnisse:
- Wenn Ihnen Radfahren Spaß macht, integrieren Sie es in Ihr abwechslungsreiches Sommer- und Herbsttrainingsprogramm, um den Trainingsumfang zu erhöhen.
- Konzentriere dich auf Rennradtraining mit niedriger Intensität und gestalte hochintensive Trainingseinheiten sportspezifisch.
- Achte beim Mountainbiken auf zu hohe Intensität und Laktatansammlung, nutze es aber, um Gleichgewicht und Koordination zu verbessern.
Dieser Artikel wurde bereits auf unserer Website veröffentlicht und heute aktualisiert. Weitere Inhalte zum Thema Skifahren finden Sie auf ProXCskiing.com.
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